“I am a mormon. I know it. I live it. I love it.” – Unser Alltag als Christen (Part II.)

Wahrscheinlich hast du meinen ersten Blogpost über unsere Leben als Christen bereits gelesen und vielleicht gemerkt, dass die letzten Fragen sehr allgemein waren. Solche Fragen und Antworten sind immer sehr informativ. Interessanter jedoch sind meist persönliche Fragen. Fragen, in denen es um das persönliche Empfinden, eigene Erfahrungen und Sichtweisen geht und genau um solche Fragen geht es jetzt. Was ich hier beantworte ist ganz allein meine persönliche Erfahrung. Also, viel Spaß!

 

War euer Glaube der Grund für die verhältnismäßig frühe Heirat?

Kam für dich nur ein Mann in Frage, der deinen Glauben teilt?

Der Grund für unsere Heirat war unsere Liebe, Zuneigung und unser Vertrauen zueinander. Wir haben nicht geheiratet, weil das von uns erwartet wurde oder weil wir es nicht mehr ausgehalten haben, enthaltsam zu leben. Aber irgendwo kann ich diese Frage trotzdem mit Ja beantworten. Wie ich schon beim letzten Post erwähnt habe, ist die Familie für uns der zentrale Bestandteil des Lebens. Da wir daran glauben, dass unsere Familienbindungen für alle Ewigkeit Bestand haben, war mir natürlich sehr wichtig jemanden zu heiraten, der auch an diese Perspektive glaubt. Außerdem ist es einfacher zusammen zu leben, wenn man die gleichen Werte und Ziele hat, findest du nicht? Jedenfalls war das für mich persönlich ein starkes Argument. Es war mir sehr wichtig, dass ich mit meinem Partner alles teilen kann. Meinen Glauben, meine Hoffnungen, meine Ängste, meine Werte. Trotzdem gab es auch bei uns Leute, die das nicht so wie wir gemacht hätten oder das zu früh fanden. Aber jeder muss das selbst für sich herausfinden und entscheiden. Ich denke, man sollte keinem Erwachsenen vorschreiben, wie früh oder spät ‘man’ heiraten sollte oder sogar darf. Wir wussten, dass wir uns lieben und wussten auch, dass wir die beste Wahl füreinander waren. Es gab also nichts, worauf es sich gelohnt hätte zu warten. Und im Nachhinein betrachtet war es wirklich genau die richtige Zeit für uns. Durch unsere so frühe Heirat haben wir einfach schon so viel zusammen erlebt und gelernt. Ich glaube wenn man jung ist, ist man auch noch besonders ‘formbar’ und das hat uns geholfen, uns aufeinander einzustellen und uns gegenseitig zu helfen, uns zu verbessern. Fall dich das Thema noch mehr interessiert habe ich hier meinen ersten Blogpost, in dem ich genau über dieses Thema schreibe.

 

Wie lebst du den Glauben im Alltag als Ehefrau und Mutter?

Als Ehefrau sind mir Werte wichtig wie Vertrauen, Zuneigung, Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Opferbereitschaft. Diese Werte versuche ich in meinem Leben umzusetzen. Mein Mann und ich wissen, dass wir uns ohne Ausnahme vertrauen können. Wir wissen, dass wir immer füreinander da sind und uns nie anlügen, betrügen oder hintergehen. Dazu gehört auch, dass wir füreinander das Beste wollen und uns in allem unterstützten. Alle Pläne und Ziele die wir uns setzen, besprechen wir gemeinsam. Egal ob es persönliche oder allgemeine sind. Wir  suchen beieinander nach Rat, diskutieren darüber und besprechen, wie wir diese Dinge konkret umsetzen können. Das geht bei kleinen Dingen los wie “Ich möchte dir jeden Tag sagen, dass ich dich liebe” und geht weiter über Dinge, die unser ganzes Leben bestimmen wie “Wir wollen ein Baby” oder “Wir müssen umziehen, weil ich dort gern arbeiten möchte”. Hier kommt auch die Opferbereitschaft zur Geltung. Wir haben von Anfang an besprochen, dass wir gern eine größere Familie hätten und ich für die Kinder da bin, während mein Mann für unseren Unterhalt sorgt. Für mich als Ehefrau bedeutet das, dass ich meinem Mann überall hin folge, wo er Arbeit oder Fortbildungen findet. Egal ob in der Nachbarstadt oder auf der anderen Seite der Erde. Auch bedeutet das für mich, dass ich meinem Ehemann Zuhause immer den Rücken freihalten möchte. Das klappt zwar noch nicht immer so, wie ich es gern hätte, aber daran arbeite ich! In der Familie beten wir mit- und füreinander und besuchen gemeinsam die Versammlungen der Kirche. Als Mutter gibt es ebenso Werte, die ich gern in meinem Leben umsetzen möchte. Dass die Opferbereitschaft dabei auch eine große Rolle spielt ist keine Frage. Auch Geduld liebevoller Umgang sind uns sehr wichtig. Wir bemühen uns, eine gute Ausdrucksweise zu haben und eine liebevolle Umgebung bei uns Zuhause (und natürlich auch sonst) zu schaffen. Da ich meine Aufgabe hauptsächlich als Ehefrau und Mutter sehe, ist es mir persönlich eine Pflicht, viel Zeit mit meiner Tochter (oder später meinen Kindern) zu verbringen. Ich möchte sie in allem verstehen, immer ein offenes Ohr für sie haben, sie immer lieben, egal was sie tut und ihr eine Freundin sein. Außerdem erziehe ich sie in unserem Glauben. Ich werde ihr die Dinge beibringen, die uns wichtig sind und werde ihr helfen sie zu verstehen und zu leben.

 

Wie funktioniert das mit Emma in der Kirche?

Ich sitze hier und muss ein bisschen schmunzeln. Diese Frage wurde mir tatsächlich in den ersten Monaten sehr sehr häufig gestellt. Daraufhin hatte ich eine Story darüber gemacht. Vielleicht hast du die ja auch gesehen. Nun. Seit dem hat sich ein bisschen was geändert. Am Anfang war Emma wirklich sehr pflegeleicht. Sie hat nie geschrien, war immer ruhig und hat viel geschlafen. Das hat es mir natürlich leicht gemacht. Inzwischen ist sie deutlich temperamentvoller. Schreit auch gern mal herum und  das vor allem, wenn sie nicht in ihrer gewohnten Umgebung ist. Also ist es auch schon ab und zu mal vorgekommen, dass ich mit Emma früher nach Hause musste (wie du dich vielleicht erinnerst haben wir ja 3h Kirche). Aber abgesehen von diesen Tagen funktioniert es wirklich gut. Am Anfang hatten wir sie immer in ihrer Babyschale. Da hat sie viel drinnen geschlafen. Inzwischen war die dann hauptsächlich auf unserem Arm und jetzt nehmen wir immer den Kinderwagen mit, sodass ich sie auch mal ablegen kann. In unseren Gemeindehäusern haben wir Räume, in denen man Lautsprecher einschalten kann, sodass es möglich ist den Versammlungen zuzuhören und trotzdem einen ruhigen Ort zum Stillen zu haben (oder einen Rückzugsort, wenn Emma mal zu laut ist). Ich nehme aber auch immer meinen Stillschal mit, sodass ich mich auch einfach nach hinten setzen kann, wenn sie Hunger hat. Wenn sie alt genug ist, gibt es bei uns auch einen Kindergarten, indem sie dann betreut wird, während ich in den Klassen bin.

 

Was würde es für eure Kinder bedeuten, wenn sie sich gegen den Glauben entscheiden?

Ich denke die eigentliche Frage ist, was es für die Beziehung zwischen unseren Kindern und uns bedeutet, oder? Natürlich fänden wir das schade und wir hoffen natürlich, dass sie die gleichen Empfindungen dem bezüglich haben wie wir. Denn wenn wir uns nicht für unsere Kinder wünschen würden, dass sie das was uns in unserem Leben so viel Freude und Hoffnung bringt, auch erleben, dann wäre doch irgendetwas falsch! Trotz allem hat jeder einzelne Mensch das Recht, selbst zu entscheiden welchen Weg er gehen möchte und davon sind unsere Kinder natürlich nicht ausgeschlossen. Es ändert sich aber niemals etwas an der Liebe, die wir für sie haben! Denn die Liebe zu den eigenen Kindern sollte von nichts abhängen. Sie sollte unabhängig und bedingungslos sein! Und das ist das Wichtigste! Selbst wenn sich die Umstände ändern, die Art der Beziehung ändert sich nicht!

 

In welchen speziellen Alltagssituationen hilft dir oder stärkt dich dein Glaube?

Wow. Da könnte ich einfach so viel erzählen… Ich versuche dir das mal zu kategorisieren. Im Alltag wird man oft mit kleinen Dingen konfrontiert, die einem das Leben schwieriger machen. Sei es, dass dein Zug Verspätung hat und du darum bangst, zu spät zu deinem Termin zu kommen. Sei es, dass du für jemanden da sein musst, obwohl eine wichtige Prüfung ansteht für die du lernen musst. Oder sei es, dass du dich im Dunkeln verirrt hast und du nicht weißt, wie du wieder nach Hause kommst. In solchen Situationen hilft mir mein Glaube dadurch, dass ich einen Freund habe, der immer da ist. Den ich immer anrufen kann, selbst wenn ich mein Handy vergessen habe. Der mir hilft, egal wie klein mein Problem zu sein scheint. Der immer Zeit hat und mir keine Vorwürfe macht. Gott! In solchen Situationen bete ich und bekomme immer die Hilfe, die ich brauche. Und wenn es nur ist, dass ich mich stärker und nicht allein fühle. Dann gibt es im Leben Schicksalsschläge. Ein Freund kehrt dir den Rücken und du kannst nichts dagegen tun. Geliebte Menschen werden krank oder sterben. In solchen Situationen hilft mir mein Glaube am meisten. Ich weiß, dass das Leben hier nicht zu Ende ist. Es gibt mehr als nur das Hier und Jetzt. Und selbst wenn alle Menschen mir den Rücken kehren oder mich verlassen, einer ist immer für mich da. Gleiche Antwort: Gott! Es gab eine Situation in meinem Leben, die schmerzhafter war als alles, was ich mir vorstellen konnte. Und trotzdem war diese Situation im Nachhinein auch eine der Schönsten meines Lebens. Nicht, weil ich über die Sache an sich glücklich war, sondern weil ich gespürt habe, dass mir geholfen wurde. Mein Mann und ich sind uns dadurch noch näher gekommen. Wir haben so viel Liebe von allen Seiten empfangen. Selbst an dem Tag, an dem es passierte, spürte ich, dass ich stärker gemacht wurde. Stärker durch Jesus, der mich durch sein unendliches Sühnopfer versteht und begleitet. Natürlich gibt es dann noch die ganz besonders schönen Momente des Lebens und auch diese teile ich mit Gott im Gebet. Ich danke ihm dafür. Durch meinen Glauben weiß ich, dass ich alles, was ich habe nicht von mir selbst habe, sondern dass Gott mich dahin geführt hat, wo ich jetzt stehe. Es gibt so viele Dinge, die ich ohne ihn nicht so geschafft hätte, wie ich sie letztendlich geschafft habe. Das stimmt mich demütig und dankbar. Ich bin eine glückliche, geliebte und liebende Tochter, Enkeltochter, Schwester, Ehefrau und Mutter. Was will ich mehr?

 

Zweifelst du manchmal?

Ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, dass ich jemals wirklich gezweifelt habe, aber ich habe schon oft etwas hinterfragt. Für mich sind Fragen jedoch etwas anderes als Zweifel. Ich konnte sie stellen und eigentlich gab es immer entweder eine gute Antwort oder keine, womit ich dann auch zufrieden war. Ich weiß nicht, ob das für dich Sinn ergibt, aber manche Sachen wissen wir Menschen einfach nicht und das in vollkommen in Ordnung. “Doubt your doubts before you doubt your faith” hat einer unser Apostel mal gesagt. Und die meisten Zweifel entspringen eigentlich einer Frage. Zweifel sind negativ behaftet. Fragen sind eher neutral. Meine Antworten bekomme ich dann auf verschiedene Weise. Ob es mein Mann ist, der mir etwas besser verständlich machen kann. Ob ich etwas in den Schriften lese, was mir hilft. Oder ob ich beim Gebet einfach ein friedliches Gefühl bekomme. Es sind mir immer noch nicht alle Sachen klar. Aber wir lernen ja schließlich unser Leben lang.

 

Ich liebe mein Leben. Es ist lange nicht perfekt und ich bin lange nicht perfekt. Aber durch meinen Glauben weiß ich, dass ich mich ändern kann. Dass Jesus mir dabei hilft mich zu verbessern und dass er mir immer vergibt, auch wenn ich noch so viele Schwächen habe. Ich bin so dankbar für das Wissen, dass das Leben nach diesem weiter geht, weil es mir einfach so viel Kraft gibt. Ich bin unendlich dankbar für meine wunderbare Familie! Ich bin glücklich.

Ich hoffe, ich habe jetzt alle Fragen zufriedenstellend beantwortet. Aber falls dir noch irgendetwas auf der Seele brennt, lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

BE HAPPY!

Bist du gläubig? Wieso? Wie hilft dir dein Glaube im Alltag? Hat dir mein Blogeintrag gefallen? Hat dich etwas zum Nachdenken gebracht? Interessiert dich etwas bestimmtes, worüber ich schreiben sollte, hast du eine Frage oder willst du einfach konstruktive Kritik geben?

Dann schreib mir doch einfach eine E-Mail (laura@healthymarriage.de) oder hinterlasse mir einfach einen Kommentar.

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2 Kommentare

  1. Liebe Laura, deine beiden Beiträge zu deinem Glauben fand ich sehr aufschlussreich und gut geschrieben! Ich lese schon seit einigen Jahren Blogs von Amerikanerinnen, die ebenfalls Mormonen sind (allerdings geht es auf den Blogs kaum darum und das ist auch nicht der Grund, warum ich sie lese). Von daher war ich schon ein wenig neugierig, mehr über diese Glaubensrichtung zu erfahren, die zumindest dort wo ich aufgewachsen bin nicht wirklich präsent war. Meine persönlichen Erfahrungen mit Mormonen sind leider eher gemischt – ich habe mich z.B. mal im Zug mit zwei Missionaren unterhalten und fand es schade, dass sie wirklich die ganze Zeit versucht habe mich von etwas zu überzeugen, obwohl ich von Anfang an klargemacht habe, dass ich mit meinem eigenen Glaube ganz zufrieden bin. Dabei hätte ich mich gern weiter mit ihnen unterhalten und ein paar Fragen gestellt. Ein paar davon hast du mit deinen Posts jetzt für mich beantwortet, insofern danke dafür! 🙂

    1. Hallo Luise,
      Danke für deine ausführliche Rückmeldung. Ich freue mich wirklich immer sehr über jede Nachricht, jeden Kommentar und jede neue Anregung oder Erfahrung. Davon lebt diese Online-Welt schließlich, oder? 🙂 Ich weiß ja jetzt nicht, wo du aufgewachsen bist, aber es stimmt schon, dass es hier in Deutschland weniger präsent ist als in Amerika zum Beispiel! Ich finde es auch immer super spannend von anderen zu erfahren, ob oder wie sie ihren Glauben in ihrem Leben umsetzen, kannst also auch sehr gern von deinen Erfahrungen berichten! Das interessiert mich total. Ja, man darf dabei natürlich nie von wenigen aufs Ganze schließen. Unangenehme Menschen gibt es überall. Freundliche Menschen gibt es überall. Lustige Menschen gibt es überall. Meiner Meinung nach, muss man sich dabei einfach auf das wesentliche konzentrieren. Wenn du magst, kannst du mir natürlich deine Fragen stellen und wir können uns darüber gern unterhalten. Das mache ich wirklich gern! Es freut mich aber, dass dir mein Beitrag schon gefallen hat und ich dir schon ein paar Dinge beantworten konnte.
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend!
      Laura

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