Stillen ist doch einfach oder nicht?

Dein Kind wird geboren. Du freust dich und bist überglücklich. Du hältst es in deinen Armen und bekommst sofort das Gefühl, für dieses kleine Wesen Mutter zu sein. Du verspürst den Wunsch, dein Kind zu stillen. Du fragst die Hebamme ob es in Ordnung ist und legst behutsam dein Baby an die Brust. Es trinkt fröhlich und du kannst in Ruhe den Augenblick genießen. Du liebst diese Nähe zu deinem Kind und strahlst deinen Liebsten vor Freude an…

So hab ich es mir vorgestellt. Ich war mir nicht bewusst, dass es auch ganz anders kommen kann. Doch habe ich leider eine ganz andere Erfahrung machen müssen. Jedenfalls ab dem Punkt mit dem Genießen des Augenblicks. Um mal ein paar Sachen vorweg zu nehmen: Ich wollte von Anfang an stillen, stille immer noch und inzwischen ist es für mich auch eine der schönsten und innigsten Momente mit meiner Tochter. Aber ganz ehrlich, die ersten zwei Wochen waren diesbezüglich der blanke Horror.

Es fing schon direkt nach der Geburt an. Die Schmerzen habe ich durch das ganze Adrenalin noch nicht so stark gemerkt. Aber Emma hatte einen so starken Zug drauf, dass sie mir trotz richtigen Anlegens meine Brustwarzen mit Knutschflecken und Einrissen verziert hat. Da merkte ich bereits, dass es doch anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte.

Als ich sie das nächste Mal auf meinem Zimmer gestillt habe, hatte ich dabei starke Schmerzen. Mein Mann holte eine Hebamme. Ich muss leider sagen, dass mir die Hebammen in der Klinik haben nicht sehr gut halfen. Vielleicht waren sie gestresst, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich mich da nicht besonders gut betreut gefühlt. Neben der Tatsache, dass mir niemand gesagt hat, wie oft ich sie ungefähr stillen muss usw. (ich war ja noch ganz unerfahren auf dem Gebiet), haben sie mir auch immer gesagt, dass ich sie da wohl falsch angelegt hätte. Aber immer, wenn ich sie dann vor deren Augen angelegt habe, war es richtig. Sie haben mir immer wieder gesagt, dass das bei vielen am Anfang etwas zieht und auch teilweise wund wird und haben nicht ernst genommen, dass ich dabei wirklich starke Schmerzen hatte und meine Brustwarzen mehr als nur wund waren. Ich bat um Stillhütchen. Die Hebamme dort hat mir eines in die Hand gedrückt und gewartet bis ich es draufgesetzt hatte. Als sie gesehen hat, dass ich es allein nicht richtig hinbekommen habe, hat sie es mir weggenommen und irgendetwas davon gefaselt, dass das auch meistens nichts bringen würde. Zum Glück war ich nicht lange im Krankenhaus (Hier kannst du meinen Geburtsbericht lesen). Nach einem Tag bin ich ja schon nach Hause gefahren. Emma hat am Anfang auch fast nur geschlafen und kaum trinken wollen. Aber als wir dann  am nächsten Tag Zuhause waren und wirklich jedes Anlegen so sehr geschmerzt hat, dass ich irgendetwas drücken musste (zum Leidwesen der Hand meines Mannes), bekam ich jedes Mal Panik wenn ich wusste, dass Emma gleich wieder trinken möchte.

Wenn du jetzt denkst, dass ich einfach nur ein bisschen schmerzempfindlich war, nein! Meine Wunden wurden immer schlimmer. Ich habe meine Mutter beauftragt, mir Stillhütchen zu besorgen, um es noch einmal in Ruhe zu probieren. Dadurch wurden meine Schmerzen zum Glück etwas erträglicher. Aber die Sache an sich wurde noch nicht besser. Die eine Seite hat angefangen zu bluten und ich hab mich nicht mehr getraut, auf dieser Seite zu stillen. Ich dachte, ich müsste diese Brust schonen. Zum Glück hatten wir eine unglaublich nette, tolle und kompetente Hebamme, die uns betreut hat. Sie ist sofort am nächsten Tag zu uns gekommen und hat mich vor allem in dieser Sache wirklich gut beraten. Natürlich hat sie mir erklärt, dass ich die Seite auf keinen Fall schonen darf, indem ich Emma an der Seite nicht mehr stille. Denn das führte auch zu einem Milchstau, der später sogar zur Entzündung wurde. Ich sollte sie an der Seite stillen und die Brust mit Quark kühlen. Um die Brustwarzen zu heilen, haben wir es zunächst weiter mit einigen Cremes und Pads probiert, wie es mir im Krankenhaus empfohlen wurde. Leider wurde es dadurch nicht besser, sondern schlimmer. Emma fing an, Blut zu spucken. Blut, dass aus meinen Wunden kam. Erst kam es mit der Milch hoch und später hat sie meinen Mann einmal so stark angespuckt, dass es aussah, als hätte er Nasenbluten gehabt. Da waren wir sogar im Krankenhaus, weil wir uns nicht ganz sicher waren, ob das jetzt nur von meinen Wunden kam. Zum Glück kam es nur daher und Emma ging es gut. Für das Baby ist das auch nicht schlimm, es spuckt das Blut einfach wieder aus. Dafür war es für mich umso schlimmer. Was meinst du, wie ich jetzt Panik davor hatte sie zu stillen. Nun kam der Punkt, an dem ich zu meinem Mann gesagt habe, dass ich abstillen möchte wenn das so weiter geht. Ich wollte nicht immer diese Panik haben und die Schmerzen sowieso nicht. Aber eigentlich wollte ich stillen. Das war mir persönlich einfach wichtig. Mein Mann hat mir da auch weiter gut Mut zugesprochen und hat immer gesagt, dass ich das schon schaffe. Da meine Hebamme merkte, dass die Cremes nichts brachten, riet sie mir einfach mal Luft dran zu lassen und NICHTS drauf zu geben. Also hieß es für mich: Vorhänge zu und den ganzen Tag oben ohne herumlaufen. Was soll ich sagen, es hat sofort geholfen. Seit der ersten Stillmahlzeit, bei der ich vorher einfach alles in Ruhe gelassen habe, hat Emma nie wieder Blut gespuckt. Was waren wir erleichtert. Ich habe von der Hebamme dann Brustschilder bekommen, damit ich auch etwas anziehen kann und trotzdem Luft an meine Brust kommt. Das hier sind die Brustschilder:

 

 

Super! Eine Sache war geschafft. Die Brustentzündung auf der einen Seite ließ sich durch das Kühlen auch gut behandeln. Und da dachte ich, ich hätte es endlich geschafft. Zwar hatte ich noch Schmerzen beim Stillen, aber ich dachte, das sei einfach so und irgendwann würde ich mich an den Schmerz gewöhnen.

Kurze Zeit später bekam ich dann leider auf der anderen Seite wieder eine Brustentzündung. Dieses Mal auch stärker und schlimmer. Ich hatte sogar Fieber und durfte deshalb nur liegen und mich ausruhen. Zum Glück hat Emma zu der Zeit eigentlich nur geschlafen. Wir haben die ganzen Tage also nur gekuschelt und zwischendurch wieder meine Brust gekühlt. Meine Hebamme hat mir ein pflanzliches Mittel gegeben, in der Hoffnung, ich bräuchte dadurch kein Antibiotikum gegen das Fieber. Und das kam auch so. Nach einem Tag war das Fieber weg. Zwar habe ich mich noch sehr schlapp gefühlt und musste trotzdem liegen bleiben, aber ich musste nicht zum Arzt und brauchte keine Medikamente.

Bis dahin sind schon einige Tage seit der Geburt vergangen und die Brustentzündung ging nach und nach, wenn auch langsam zurück. Nach ca. 2 Wochen nach der Geburt ging es mir wieder gut. Das Stillen funktionierte und die Schmerzen wurden immer weniger und irgendwann hatte ich erst auf einer Seite keine Schmerzen mehr und dann, nach ungefähr einem Monat hatte ich gar keine Schmerzen mehr.

Ich bin so froh, dass ich nicht abgestillt habe. Ich bin auch echt froh, dass ich Stillhütchen habe. Ich habe es inzwischen auch schon wieder ohne probiert. Es hat zwar funktioniert, wenn auch mit einem stärkeren Ziehen, aber da ich dann sofort wieder einen Riss bekommen habe, mache ich es momentan wieder mit Stillhütchen. Ich weiß noch nicht, wann oder ob ich es wieder ohne versuche, aber ich will da auf mein eigenes Gefühl hören. Und momentan bin ich einfach nur froh, dass das Stillen so schön ist. Mit meiner Hebamme als fachlichem und meinem Ehemann als emotionalem Begleiter habe ich es geschafft. Ich habe es ausgehalten und kann jetzt jedes Stillen mit meiner Maus genießen. Dafür bin ich so dankbar.

Auch wenn von allen Seiten gut gemeinte Ratschläge kommen wie: “Still doch einfach ab, Flasche geben ist genauso gut” oder “Du musst jetzt aber mal von den Stillhütchen weg kommen”, ist es wichtig, sich nicht von seinem eigenen Ziel oder seinen eigenen Wünschen abbringen zu lassen. Natürlich gibt es Frauen, die nicht stillen können oder es nicht möchten und das ist auch in Ordnung. Jeder soll da das Beste für sich und sein Kind herausfinden. Aber ich wollte es und ich wusste auch, dass mir das wichtig war und bin meinen Weg dann gegangen. Im Nachhinein war es für mich genau das Beste, dass ich weiter gemacht habe und nicht aufgegeben habe. Denn jetzt stille ich. Ich stille mit Freude und Liebe. Meine Maus hat immer etwas zu trinken und ich kann die Zeit, die man sonst zum Fläschchen machen, waschen und sterilisieren braucht, anders nutzen. Und das wichtigste: Ich bin glücklich so!

 

 

BE HAPPY!

Stillst du, oder gibtst du die Flasche? Warum? Hat dir der Blogeintrag gefallen? Hat dich etwas zum Nachdenken gebracht? Interessiert dich etwas bestimmtes, worüber ich schreiben sollte, hast du eine Frage oder willst du einfach konstruktive Kritik geben?

Dann schreib mir doch einfach eine E-Mail (laura@healthymarriage.de) oder hinterlass einfach einen Kommentar.

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2 Kommentare

  1. Über so eine Rückmeldung freue ich mich echt immer ungemein doll! Danke für deine lieben Worte. Ich finde es so schön, dass dir meine Beiträge gefallen. Wenn du noch Wünsche hast, was du gern lesen möchtest, dann kannst du die ruhig raushauen. Ich bin für Vorschläge immer offen!
    Liebe Grüße Laura

  2. Huhu!

    ich hab zwar kein Kind und ich kenne dich auch gar nicht, aber ich lese immer deine Beiträge weil ich dich wahnsinnig sympathisch finde und ich es toll finde, wenn solche Themen wie z.b. Stillen einfach mal offen angesprochen werden. Vielen Dank, dass du mich immer mit tollen Beiträgen in der Bahn versorgst!

    Ich finde das sollte mal gesagt werden, einfach immer lesen und „unsichtbar“ bleiben ist doch blöd!

    Liebe Grüße,

    Juliane

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